K.U.K. POST ODER K.K. POST?

Wenn postalische Jubilaen oder Gedenktage anfallen, die in die Zeit vor 1918 zurückführen, schwappt die Nostalgiewelle zuweilen über, und dann gibt es in Zeitungen, Chroniken oder Festschriften befremdliche Dinge zu lesen: "Jubelfahrt einer k.u.k. Postkutsche", "Ein k.u.k. Postmeister in Galauniform", "Die Eröffnung des k.u.k. Postamtes erfolgte...", "Posthorn des k.u.k. Poststalles in...".

Das verdienstvolle Stöbern in der Vergangenheit in Ehren, höchst seltsam ist dabei nur die ausgesprochene Verliebe für das so feierliche klingende "k.u.k.". Es ist, rundheraus gesagt, in allen zitierten Fällen falsch. Erst wenn das "u." ersatzlos gestrichen wird, kommen die Dinge wieder ins rechte Lot.

Warum das so ist, läßt sich mit wenigen Worten nur sehr vereinfacht ausdrücken. Für den posthistorischen Hausgebrauch dürften die folgenden Erklärungen reichen.

Der "Ausgleich" von 1867

Der 1867 abgeschlossene Vertrag über das staatsrechtliche Verhältnis zwischen Osterreich und Ungarn ist unter der Kurzbezeichnung "Ausgleich" in die Geschichte eingegangen. Er wandelte den bisherigen österreichischen Einheitsstaat in eine Doppelmonarchie um, in der die österreichische Reichshälfte "Cisleithanien" (= die Länder diesseits der Leitha) und ihr ungarisches Gegenstück "Transleithanien ( = die Länder jenseits der Leitha) zu gleichberechtigten, selbständigen Staatsgebilden wurden. Beide Reichshälften waren durch die Person des Herrschers sowie durch gewisse gemeinsame "pragmatische" Angelegenheiten verbunden.

Da weder Österreich noch Ungarn - um die Kurzbezeichnungen vorwegzunehmen - allein einen Krieg führen oder eigene Außenpolitik betreiben konnten und gewisse finanzielle Mittel gleichfalls beiden Reichshälften zugute kamen, zählten zu den soeben erwähnten gemeinsamen Angelegenheiten die Agenden des Reichskriegsministeriums und des Außenministeriums sowie die der gemeinsamen Finanzverwaltung. Im Jahre 1878 kam als "pragmatische" Angelegenheit die Verwaltung Bosniens und der Herzogowina dazu.

Die offizielle Bezeichnung für den Gesamtstaat lautete "Österreichisch-ungarische Monarchie". Wesentlich komplizierter benannte man die beiden Reichshälften. Cisleithanien hieß offiziell "Die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder", Transleithanien trug die amtliche Bezeichnung "Die Länder der Heiligen Ungarischen Krone". Benennungen solcher Art bürgerten sich begreiflicherweise nicht ein; Cisleithanien wurde daher, ab 1915 auch offiziell, Österreich genannt und Transleithanien Ungarn.

Die österreichische Reichshälfte bestand aus den Erzherzogtümern Osterreich unter und ober der Enns (Nieder- und Oberösterreich), aus den Herzogtümern Steiermark, Salzburg, Kärnten und Krain, aus der Gefürsteten Grafschaft Tirol und dem Land Vorarlberg, dem Königreich Böhmen, der Markgrafschaft Mähren, dem Herzogtum Schlesien, dem Königreich Galizien, dem Herzogtum Bukowina, den Gefürsteten Grafschaften Gradisca und Görz und dem Königreich Dalmatien. Diese Länder hatten 1867 insgesamt etwa 20 Millionen Einwohner.

Zur ungarischen Reichshälfte gehörten das Gebiet des Königreiches Ungarn (mitsamt der Slowakei, der Karpato-Ukraine, der Batschka und dem Banat), das Großfürstentum Siebenbürgen sowie das Königreich Kroatien und Slawonien mit dem Adriahafen Fiume. Zur Zeit des Ausgleichs belief sich die Anzahl der Einwohner in dieser Region auf rund 15 Millionen.

Abkürzungen erklären die Zugehörigkeit

K.u.K.: Sofern es sich laut den Festlegungen des Ausgleichs um gemeinsame Agenden handelte, agierten die zuständigen Behörden "kaiserlich und königlich". Sämtliche Dienststellen des Außen- und des Kriegsministeriums trugen daher die Abkürzung "k.u.k.", wobei das erste der beiden k für Osterreich, das zweite für Ungarn stand.

K.k.: Die autonomen Behörden und Ämter der österreichischen Reichshälfte erhielten den Zusatz "kaiserlich-königlich", denn auch in Cisleithanien gab es Königreiche.

K. od. Kgl.: Diese Abkürzungen standen in deutschsprachigen Texten für Ungarisch-königlich. In der Landessprache wurde "magyar kiraly" im allgemeinen auf "mag.kir." oder "m.kir." verkürzt.

Von den gemeinsamen Angelegenheiten abgesehen, trat ab 1867 zwangsläufig eine Verdoppelung der staatlichen Organisation ein. So gab es beispielsweise sowohl in Wien als auch in Budapest ein eigenes Handelsministerium. Das österreichische setzte "k.k." vor die Bezeichnung seiner Dienststellen, das ungarische (in deutscher Übersetzung) die Abkürzung "kgl.". Und auch die früher nur dem Handelsministerium in Wien ressortmäßig zugewiesenen Agenden des Postwesens wurden geteilt; in Osterreich arbeitete die k.k., in Ungarn die neugeschaffende kgl. Postverwaltung.

Was zu Zeiten der Doppelmonarchie kaum größere Schwierigkeiten verursacht haben dürfte, bereitet heutzutage vielen Leuten Kopfzerbrechen, nämlich die richtige Verwendung der soeben angeführten Abkürzungen. Nicht nur Ausländer, auch Österreicher wissen nicht mehr damit umzugehen, entscheiden sich jedoch, vor die Wahl gestellt, stets mit großer Wahrscheinlichkeit für den Zusatz "k.u.k.". Man kann ihn schließlich immer wieder hören oder lesen, wenn irgendwo von altösterreichischen Behörden, Ämtern, Institutionen usw. die Rede ist. Von da zur "k.u.k. Postverwaltung" ist es dann nur noch ein Schritt.

Aber kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Betrachtungen zurück. Es gab nur die k.k. Post (in Österreich) oder die kgl. Post (in Ungarn), und dasselbe galt für alle Post- und Telegraphenämter, Kutschen, Briefkästen, Telefone, Uniformen usw. ebenso wie für die Rangbezeichnung der da oder dort beschäftigten Bediensteten. Daher bleibt nach wie vor gültig: Wenn es sich um die historischen Belange der altösterreichischen Post dreht, ist die Bezeichnung "k.k." völlig richtig und ausreichend.

Und was ist mit der Feldpost?

Anders als mit der staatlichen Post verhielt es sich mit der "k.u.k. Feldpost", die im Mobilisierungs- bzw. Kriegsfalle in Aktion trat. In ihrem Bereich war alles k.u.k., die Feldpostämter ebenso wie die in der Etappe, die Telegraphie und Telefonie, der gesamte Fuhrpark usw. Das war ganz einfach deshalb so, weil für Angelegenheiten der gemeinsamen Feldpost das für beide Reichshälften agierende Reichskriegsministerium zuständig war. Wenn also etwa von der Feldpost während des Ersten Weltkrieges die Rede ist, können alle "k.u.k"-Freunde ihrer Vorliebe freien Lauf lassen.

Beim Schmökern in der Postgeschichte läßt sich allerdings auch eine "k.k. Feld-Post" entdecken und auch eine, vor der "kgl." steht. Die Erklärung dafür ist gleichfalls einfach: Beide Reichshälften verfügten im Rahmen der eigenen Zuständigkeiten über Heeresverbände, die ebenfalls Feldpostanstalten unterhielten; die österreichischen waren "k. k." die ungarischen "kgl." (sofern in deutscher Sprache davon die Rede war). Im Kriegsfalle traten sie jedoch in den Hintergrund, und die "k.u.k. Feldpost" hatte das Sagen.

Ein Lehrstück zu Fragen des Ausgleichs

Die erste Flugpostlinie der Welt, die am 31. März 1918 den Dienst aufnahm und von Wien nach Lemberg führte, war selbstverständlich eine "k.u.k."-Einrichtung. Ihre Organisation stand im Zeichen des gemeinsamen Heeres, Militärmaschinen besorgten den Transport, und Militärpiloten saßen am Steuerknüppel. Nur die offiziell geflogene Privatpost war nicht lupenrein "k.u.k.", denn sie stammte zur Gänze aus dem (k.k.) Postgebiet Österreich.

Diese Tatsache führte im April 1918 zunächst zu einer Verstimmung, dann zu einem Briefwechsel zwischen Budapest und Wien. Da hatte der kgl. (ungar.) Handelsminister in Budapest erfahren, daß sein Kollege, der k.k. Handelsminister, das Flugwesen des für beide Reichshälften zuständigen k.u.k. Kriegsministeriums ausschließlich zum Vorteil des Postgebietes Österreich benützte. Er äußerte sein Mißfallen darüber mit folgenden Worten: "Meines Erachtens fällt es außerhalb des gesetzlichen Wirkungskreises eines gemeinsamen Ministeriums, wenn eine in den autonomen Wirkungskreis beider Staaten gehörige Angelegenheit, wie der Postbetrieb, von einer gemeinsam, also materiell von beiden Staaten aufrecht zu erhaltenden Institution besorgt wird..."

Kurz gesagt, Ungarn mußte bei der gemeinsamen Heeresverwaltung mitzahlen, war aber von den soeben aktuellen Belangen der Flugpost ausgeschlossen und zeigte sich darüber verärgert. Die Angelegenheit selbst ließ sich wenig später durch Einrichtung einer Flugpostverbindung Wien-Budapest allem Anschein nach gütlich beilegen. Davon jedoch abgesehen, liegt uns mit diesem Dokument zweifellos ein lehrreicher Beitrag zu Fragen des Ausgleichs von 1867 und seiner Folgen vor.

Die "Im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder" waren bis zum Zusammenbruch der Doppelmonarchie 1918 jedenfalls immer "k.k.", und zwar so sehr, daß der österreichische Dichter Robert Musil in seinem Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" Altösterreich ironisch als "Kakanien" (K.k.-nien) verewigte. Wer sich an dieses sagenhafte Land zur rechten Zeit erinnert, wird über die Frage "k.k. oder k.u.k.?" gewiß nicht mehr stolpern.